Eine Woche
Ein Beitrag zum Themengebiet Chile, geschrieben am 29. March 2006 von Jimmydie woche fängt auch hier mit dem montag an. und zwar mit dem durchdringenden piepston meines gehassten weckers kurz nach sieben uhr. wenn der abgeht, stehe ich beinahe im bett. ich mache mir schon ein bisschen sorgen um mein herz ![]()
danach frühstücke ich zusammen mit meinen brüdern und meiner gastmutter. meistens gibt es brot und konfi und milch, von der ich immer noch nicht 100% überzeugt bin, ob sie wirklich von einer kuh stammt oder aus dem labor kommt.
um viertel vor acht fängt dann die schule an. ich gehe in die gleiche schule wie mein bruder gonzalo. wir müssen etwa 5 minuten laufen. die schule gleicht ein bisschen einem gefängnis. das ganze gelände ist eingezäunt, und es gibt nur einen eingang. wenn man zu spät kommt und die türe geschlossen ist, kann man nicht mehr herein. und man kann nicht hinaus gehen, bevor mittagspause ist. das startzeichen zu jeder unterrichtseinheit wird mit einer zentral platzierten glocke gegeben. am morgen gibt es zwei unterrichtsblöcke von je anderthalb stunden und einen von zweieinviertel stunden, zwischendurch immer 15 minuten pause. das heisst, wir haben von morgens um viertel vor acht bis um halb zwei durchgehend schule. mittagspause ist eine stunde. da ich nahe der schule wohne, kann ich nach hause gehen um zu essen. diejenigen, die in der schule bleiben, essen meistens ein yoghurt oder ein paar guetzlis. es gibt nicht sehr viele, die etwas nahrhaftes mitbringen. am nachmittag haben wir von halb drei bis um vier uhr schule. bei so viel unterricht fragt man sich vielleicht, wieso die bildung trotzdem so schlecht ist. nun, das liegt daran, was im unterricht passiert. das finde ich nämlich ziemlich langweilig. meistens schreibt der lehrer irgendwas an die tafel, diktiert was oder gibt aufgaben. das problem ist nur, dass niemand zuhört. alle sind am reden, am herumlaufen, sich ihr gesicht im spiegel anschauen oder andere sachen am machen. und wenn das vierzig leute tun, summiert sich das ziemlich stark. manchmal höre ich den lehrer gar nicht, auch wenn ich noch wollte. ein anderer grund für das tiefe niveau ist, dass die lehrer nichts von den schülern fordern. in anderthalb stunden mathe 3 aufgaben lösen ist gut gearbeitet, und in englisch fünf sätze schreiben ist auch schon “auftrag erfüllt”. ein dritter grund ist fehlendes material. wir arbeiten eigentlich nie mit büchern, sondern schreiben nur von der wandtafel ab oder was uns der lehrer diktiert. es gibt nicht mal so ein wandtafellöschteil. man muss mit einem taschentuch, dem ärmel oder einfach mit der hand die wandtafel putzen. darum bin ich kein fan der chilenischen bildung. meine schule ist nämilch nicht so schlecht. es gibt allerdings schon bessere, wo man auch eine gute bildung geniessen kann. für diese schulen muss man aber so viel zahlen, dass nur die reichen zugang haben.
Wenn ich einmal keine schule habe, treffe ich mich häufig mit freunden, bin zu hause mit meinen brüdern, schaue filme (hier gibt es etwa 6 kinokanäle), chatte (meistens zur chilenischen chatzeit) oder unterhalte mich sonstwie. auf jeden fall ist mir eigentlich nie langweilig, und ich habe immer was zu tun. deshalb werde ich auch manchmal dazu verleitet, der schule wenig beachtung zu schenken und etwas anderes zu tun.
noch zum essen. ich bin darauf gekommen, dass ich letzte woche sechs mal reis gegessen habe. und das zum mittag- und zum abendessen. kein wunder, habe ich das nicht mehr gerne. ich esse eigentlich nur zwei gerichte ohne reis. und der menüplan wiederholt sich etwa alle 10 tage.
aber ich muss sagen, dass mir mein alltag sehr gefällt.

für mich bedeutet das califor wohl ewiges generve. unser califor ist nämlich strategisch sehr ungünstig platziert. das heisst, in unserem kleinen innenhof, wo es relativ häufig etwas windet. und schon ein lüftchen reicht aus, um die mikrige, von einer gasflasche unterhaltene flamme auszulöschen. meistens passiert dies, wenn ich ungefähr 2 minuten am duschen bin. und wenn die gute flamme den geist aufgibt, sinkt die wassertemperatur ziemlich drastisch und mit ihr meine laune. aber auch wenn optimale windverhältnisse herrschen, ist es unmöglich, mit warmem wasser fertig zu duschen. denn nach etwa 5 minuten stellt es sowieso ab, weil wahrscheninlich das gute flämmchen nicht mit der grossen wassermasse, die zu wärmen wäre, fertig wird. dann gibt es noch ein anderes problem, das mir noch mehr zu schaffen macht. man muss eben noch einen hahnen aufdrehen, damit überhaupt wasser durch das califor laufen kann. und der ist manchmal aufgedreht und manchmal nicht. mich nervt es dann schon, wenn ich auf warmes wasser warte und dann merke, dass ich nicht gecheckt hatte, ob dieser hahnen aufgedreht ist. man gewöhnt sich aber an alles, sogar an kaltes wasser. ganz selten gibt es doch auch die perfekte dusche. das heisst, es kommt so viel warmes wasser, dass es mir zwar nicht ganz, aber fast, den bauch deckt, wenn ich in die badewanne liege. so ein bad geniesse ich dann ausgiebig.



