hmm ..
Ich habe das gefühl, dass diese seite so langsam am aussterben ist. da mich das stört, bin ich fest entschlossen, an dem etwas zu ändern. leider gibt es keinen weitern reisebericht. aber ich glaube, ihr findet es auch noch interessant etwas über meinen alltag zu lesen. ich persöhnlich kann das nicht ganz nachvollziehen, denn so interessant finde ich den nicht.
wie ihr vielleicht schon wisst, hat meine schule am 6. märz angefangen. und das nach etwas mehr als 3 monaten sommerferien, die ich in vollen zügen genossen habe. in mir gab es einen prozess einer vollständigen loslösung der schule. ich fühlte mich 100% ohne verpflichtung und tauchte in einen zustand von absoluter entspannung. so entspannt, dass es tage gab, bei denen ich wahrscheinlich mit weniger als 100 schritten auskam. musste ich doch nur den weg vom bett zum essen, computer und fernseher zurücklegen. von diesen tagen gab es aber trotzdem erstaunlich wenige. das wichtige an solchen tagen ist, dass man sie bewusst wahrnimmt, geniesst und sich nicht für sie schämt. eine wahrheit, die ich schon vor langer zeit entdeckt hatte, gäu mama. schule war für mich zu etwas irreellem geworden, etwas aus alten zeiten. man kann sich ungefähr den schock vorstellen, wenn man in diesem zustand in das umfeld einer schweizer schule eintauchen muss, wo man am ersten tag in jeder stunde hören muss, dass jetzt gearbeitet wird, die ferien seien vorbei.
zum glück ist eine chilenische schule nicht das gleiche wie eine schweizer schule (noch kurz, um die chilenische bildung zu verteidigen. es gibt schon gute schulen, aber zum glück ist meine nicht die beste). das ferienende und der schulanfang ist mehr ein natürlich ineinanderfliessender prozess. ein langsames herantasten an vier monate geprägt von früh aufstehen. ich zum beispiel wusste an diesem besagten 6. märz noch nicht, in welche klass ich gehen werde. im letzten jahr habe ich die abschlussklasse abgeschlossen und hätte deshalb eigentlich nichts mehr an der schule verloren. ich war in der 4. klasse eingeschrieben, wollte aber in die 3. wechseln. darum ging ich am 6. märz mal in die schule, um dies zu besprechen. eine entscheidung wurde noch nicht getroffen, da die zuständige person nicht anwesend war. ein umstand über den ich mich sehr freute. ausserdem passierte noch etwas anderes lustiges. eine lehrerin begrüsst mich herzlich und fragt ohne irgendwelchen ironischen unterton, sondern aus purer neugier, wann ich denn mit dem unterricht anfangen werde. ich musste doch ein bisschen lachen. das war das erste mal, dass mir eine lehrperson zu verstehen gab, dass ein paar tage früher oder später mit ferien aufzuhören doch nicht so wichtig ist. am dienstag ging ich dann noch einmal vorbei und mir wurde gesagt, dass es kein problem gäbe, dass ich in der 3. klasse anfangen würde. so musste ich also am mittwoch in die schule. am donnerstag wurde mir gesagt, dass es ein gesetz gibt, das sagt, dass man nicht von einer höheren klasse in eine tiefere eintreten kann. das heisst, ich sollte in die 4. klasse. ich habe beschlossen, dieses gesetz nicht weiter zu beachten und warten was geschieht. bis jetzt bin ich immer noch in der 3. klasse. das kann aber von einer stunde auf die andere wechseln.
einer meiner klassenkollegen kam die ganze erste woche nicht, mit der begründung, er habe immer verschlafen. einen tag an dem die ganze klasse in der schule anwesend ist gibt es nicht. deshalb weiss ich auch nicht, wie viele wir in der klasse sind. wahrscheinlich sind es ungefähr 40. aber es würde mich nicht erstaunen, wenn plötzlich ein neues gesicht auftauchen würde, das gemerkt hat, dass die ferien vorbei sind
PS: die deutsche grammatik hat mir einige mühe gemacht. wenn es sätze hat, bei denen jemand zweimal lesen muss, damit er ihn versteht tut mir das leid. kleinere fehler sollen stillschweigend überlesen werden
14. March 2006 um 7:08
Hallo mein Lieber!
Ich habe deine phillosophischen Gedanken zur Langsamkeit mit Interesse verfolgt. Du warst ja immer einer, der die Musse vehement verteidigt hat. Und siehe da, jetzt wird sie dir von deiner Umwelt sogar vorzelebriert. Nun, ich gebe zu, unsere hektische und fordernde Gesellschaft ist ja schon seit einiger Zeit krank. Ob in der chilenischen Gelassenheit die Lösung liegt? Wahrscheinlich irgendwo in der Mitte, denn eine gewisse Verbindlichkeit, Pünktlichkeit und Effizienz hat doch auch ihren Wert, oder?
Uns geht’s allen gut. Wir machen - eben typisch schweizerisch - ein Vielfaches deiner 100 Schritte pro Tag (ich hab schon vestanden: meistens machst auch du mehr). Am Wochenende waren wir viel unterwegs und haben uns mit den verschiedensten Leuten getroffen. Und auch diese Woche ist wieder voller Termine und interessanter Herausforderungen. Mir gefällts. Es ist hier übrigens immer noch saukalt. Gestern war ein Eistag, d.h. die Temperaturen kletterten vielerorts in der Schweiz nicht über null Grad. Ich war nochmals auf den Langlaufskis. Es war eine Kraftübung, da die Loipe fehlte. Tja, jetzt solls dann endlich wärmer werden.
Hast du San Pedro noch in Planung? Mit deiner Schule sollte so ein Ausflug ja kein Problem sein.
Allerliebste Grüsse von deiner Mama
14. March 2006 um 10:54
hey jimmy,
ein angenehmes leben führst du da! hast du denn age of empires 3 schon mal ausprobiert?
also mir fällt da noch eine geschichte ein, die sehr gut zu deinem momentanen lebensstil passt: es gab mal einen typen, marcel proust hiess der, schriftsteller, der habe, so die legende, vierzehn jahre im bett gelegen und an einem buch gearbeitet. dieses ist heute weltberühmt. wer weiss, vielleicht schreibst du auch mal ein buch?
prost
david
14. March 2006 um 14:28
Simon: Mit deinem Schalk könntest du bald die chilenische Staatsbürgerschaft beantragen!
David: Dein Kommentar ist ebenfalls ein Meisterwerk! Scherz und Ironie haben offenbar ihre Wurzeln in der Familie. Herzliche Grüsse! Grossmama
15. March 2006 um 14:11
Hey Jimmy!
Das wär aber sehr schad, wenn die Siite wörd usstärbe. Lese nämlich emmer weder gärn chli Biiträg! Jetzt öberwend ech mech sogar, nach 9 Mönet de erst Komentar z’ schriibe.
Ech glaub das Läbe in Chile wörd mer au no gfalle.
Ömu so vör es Ziitli. Wenn ech do vo 3 Mönet Ferie ond so lese, denn chömed mer mini 5 Wöcheli Ferie im Johr grad no einisch mikriger vor.
Wie esch ächt de för dech die Omstellig wenn zrög i de Schwiiz besch?
Nei, nei, dänk nonig dröber noche, gniess es no so langs no so fredlich hesch!
Also, ech verchrüche mech weder hender de Stüürakte!
Ganz e liebe Gruess
Andrea
3. April 2006 um 11:28
Lieber Simon
Ich lese deine Bericht nach wie vor mit grossem Interesse und drucke sie sogar aus, zur Erinnerung! Es wird dir bestimmt nicht leicht fallen, im Herbst wieder den strengen Sitten unserer Schulen zu folgen! Aber zum guten Glück hast du dann ja noch einige Ferientage, um dich einzuleben. Liebe Grüsse aus der Schweiz Grosspapa
4. April 2006 um 0:33
@seppi: alle glauben, dass ich probleme haben werde, wieder in der schweiz mit der schule anzufangen. alle ausser ich. ich sehe da kein problem. ich weiss ja, wie die schule ist. und ich habe hier gelernt, dass eine gute bildung ein privileg ist, das man usnutzen muss. und ich freue mich darauf, dem in die schule gehen wieder einen sinn geben zu können. ausserdem ist die schule in der schweiz auch nicht besonders streng, wenn man bedenkt, dass im durchschnitt etwa alle 10 wochen ferien sind.
aber wir werden ja sehen, wie ich mit den strengen regeln und schlauchungstherapien der kssch fertig werde