Eine Woche
die woche fängt auch hier mit dem montag an. und zwar mit dem durchdringenden piepston meines gehassten weckers kurz nach sieben uhr. wenn der abgeht, stehe ich beinahe im bett. ich mache mir schon ein bisschen sorgen um mein herz ![]()
danach frühstücke ich zusammen mit meinen brüdern und meiner gastmutter. meistens gibt es brot und konfi und milch, von der ich immer noch nicht 100% überzeugt bin, ob sie wirklich von einer kuh stammt oder aus dem labor kommt.
um viertel vor acht fängt dann die schule an. ich gehe in die gleiche schule wie mein bruder gonzalo. wir müssen etwa 5 minuten laufen. die schule gleicht ein bisschen einem gefängnis. das ganze gelände ist eingezäunt, und es gibt nur einen eingang. wenn man zu spät kommt und die türe geschlossen ist, kann man nicht mehr herein. und man kann nicht hinaus gehen, bevor mittagspause ist. das startzeichen zu jeder unterrichtseinheit wird mit einer zentral platzierten glocke gegeben. am morgen gibt es zwei unterrichtsblöcke von je anderthalb stunden und einen von zweieinviertel stunden, zwischendurch immer 15 minuten pause. das heisst, wir haben von morgens um viertel vor acht bis um halb zwei durchgehend schule. mittagspause ist eine stunde. da ich nahe der schule wohne, kann ich nach hause gehen um zu essen. diejenigen, die in der schule bleiben, essen meistens ein yoghurt oder ein paar guetzlis. es gibt nicht sehr viele, die etwas nahrhaftes mitbringen. am nachmittag haben wir von halb drei bis um vier uhr schule. bei so viel unterricht fragt man sich vielleicht, wieso die bildung trotzdem so schlecht ist. nun, das liegt daran, was im unterricht passiert. das finde ich nämlich ziemlich langweilig. meistens schreibt der lehrer irgendwas an die tafel, diktiert was oder gibt aufgaben. das problem ist nur, dass niemand zuhört. alle sind am reden, am herumlaufen, sich ihr gesicht im spiegel anschauen oder andere sachen am machen. und wenn das vierzig leute tun, summiert sich das ziemlich stark. manchmal höre ich den lehrer gar nicht, auch wenn ich noch wollte. ein anderer grund für das tiefe niveau ist, dass die lehrer nichts von den schülern fordern. in anderthalb stunden mathe 3 aufgaben lösen ist gut gearbeitet, und in englisch fünf sätze schreiben ist auch schon “auftrag erfüllt”. ein dritter grund ist fehlendes material. wir arbeiten eigentlich nie mit büchern, sondern schreiben nur von der wandtafel ab oder was uns der lehrer diktiert. es gibt nicht mal so ein wandtafellöschteil. man muss mit einem taschentuch, dem ärmel oder einfach mit der hand die wandtafel putzen. darum bin ich kein fan der chilenischen bildung. meine schule ist nämilch nicht so schlecht. es gibt allerdings schon bessere, wo man auch eine gute bildung geniessen kann. für diese schulen muss man aber so viel zahlen, dass nur die reichen zugang haben.
Wenn ich einmal keine schule habe, treffe ich mich häufig mit freunden, bin zu hause mit meinen brüdern, schaue filme (hier gibt es etwa 6 kinokanäle), chatte (meistens zur chilenischen chatzeit) oder unterhalte mich sonstwie. auf jeden fall ist mir eigentlich nie langweilig, und ich habe immer was zu tun. deshalb werde ich auch manchmal dazu verleitet, der schule wenig beachtung zu schenken und etwas anderes zu tun.
noch zum essen. ich bin darauf gekommen, dass ich letzte woche sechs mal reis gegessen habe. und das zum mittag- und zum abendessen. kein wunder, habe ich das nicht mehr gerne. ich esse eigentlich nur zwei gerichte ohne reis. und der menüplan wiederholt sich etwa alle 10 tage.
aber ich muss sagen, dass mir mein alltag sehr gefällt.
30. March 2006 um 0:06
Hallo Jimmy
Dein Alltag unterscheidet sich ja ziemlich von unserem, aber etwas ist mir nicht ganz unbekannt vorgekommen: Der Mathe Unterricht bei einem gewissen leicht errötenden Münchner. Auch in seinem Unterricht, vermag seine zarte Stimme nicht immer bis zu den Schülern vor zu dringen. Was uns jedoch nicht besonders stört
lg und guten (Reis-)Appetit!mäne
30. March 2006 um 11:57
Hallo Jimmy
Es macht mich schon ein wenig stutzig, dass bei euch so viel Reis gegessen wird. Ich habe den Reis immer Asien zugeordnet. In Südamerika, dünkt mich, wäre Mais als Grundnahrungsmittel naheliegender. Wird denn in Südamerika auch Reis angepflanzt? Hast du schon mal Reis- oder Maisfelder gesehen?
Und noch was: woraus bestehen denn die beiden exquisiten, reislosen Mahlzeiten?
Eines kann ich dir jedenfalls versichern: wenn du wieder zu Hause bist, gibt es erst Reis, wenn du dir ihn wünschst!
31. March 2006 um 20:40
Hey Jimmy
Nach deinen langen Ferien bist du jetzt wohl auch wieder in deinen Alltag eingetreten. Uebrigens Teile ich deine Abneigung gegen Reis, denn bei uns gibt es mindestens einmal pro tag “a bed of rice”! Man gewoehnt sich aber daran, und schliesslich haben wir was warmes zu essen.
Wir haben hier im College auch einen Chilenen, ich werde ihm mal fragen, wie es in seiner Schule so zu und her ging!
Also dann, machs gut und geniesse deine verbleibende Zeit
31. March 2006 um 20:59
hei jimmi,
e chline tipp, werom duesch du ned eisch choche? es schwizergricht oder pasta oder pizza oder soescht ergendoeppis feins..weisi das nid?oder wotsch du nid? aber e chline troscht, mini gastmuetter duet nid gaern choche und si het ou ke zit, drom duet si emmer am sonntig abe oeppis choche und macht aber so vou, dass es praktisch foer di ganz woche laenget, so isches nid saute, dass mer jede abe zgliche aesse waehrendere woche….cha eim ou chli verleide…
31. March 2006 um 22:20
@mama: bei mir wird nicht besonders viel angepflanzt. wohne ja in einer wüste. ich weiss eigentlich nur von den oliven, dass sie hier angepflanzt werden. mais gibts nicht häufiger als in der schweiz. die einte reislose mahlzeit sind spaghetti mit einer fleischsosse. die andere ist nudeln in einer fleisch-bohnen-suppe. aber manchmal gibts auch dort noch reis dazu. mehr reisloser stoff kenne ich bis jetzt noch nicht.
@pascale: frag dann den chilenen auch, wieviel er pro monat für seine schule bezahlt hat!
@antonia: ech be äbe ned so e meischterchoch. ond wette würdes sis wahrschenlech ou ned.
2. April 2006 um 8:59
sali jimmy,
sorry, das ech z legscht mau ned ome gse be wo du mier hesch agluete. Ech probieres de ou weder eisch. aber s esch so ne doofi ziitverschiebig ond ergendwie ben ech fasch e chli z gschtresst zom bes am morge am 1 ufzbliibe wie du.
Heit ier spiegle i de schouzemmer?
Nor so oeppis zom riis. Ech ha oeppe set 3 woche ke riis me gha. da gets werklech fascht nie ris. Mier hei ou fscht nie nuudle. S get devoer emmer salat. cha afe fascht nuet me gruens gse. drom waer ech eigentlech no ganz froh wenn de d mama ab ond zue weder woerd rice choche!!!!
4. April 2006 um 0:17
@trullala: du chasch ja nüd defür, dass ned ome gse besch, wonech aglütet ha. ech versueches de ines paar stond noeisch. hoffentlech besch de ome.
ech würd gärn dine gedankegang könne, wi du plötzlech druf chonsch zfräge öb mier spiegle em schouzemmer hei. aso mier hei ned. esch be dier es ganz tolls spieguerläbnis em schouzemmer passiert?
ech chome ja gliner hei aus du. aber wänn du de chonsch, dafsch de scho riis pschtöue. je nachdäm hanech mech bes den ja scho weder a normaus ässe gwönnt.
4. April 2006 um 16:58
jimmi, da mues ich etz de saerleh haufe….du hesch naemlech gschribe, dass sech emmer aui im spiegu aluege…
haett naemlech ou fascht woue fraege, aber ha do gfunde dass es ja klar sig dass dier spiegle heigit wenn du das so schribsch!!
ich be sooo mued, be de ganz tag ade demonstration gsi, weiss nid wie maenge kilometer dass ich gloufe bi und de no so zuegs gschroue woni glich ke ahnig ha…hihi, kuessli
4. April 2006 um 19:44
@sarah und antonia: tschoudigong, ech ha gar nüm dra tänkt, dass ech öppis vo spiegle gschrebe ha. das si aber so tascheschpiegu wo met em schmeckzüg e feschte beschtandteil vom schöuzüg böude. (amu be es paarne
)