Von Buenos Aires nach Valparaiso
oder: vom atlantik an den pazifik.
buenos aires hat mir sehr gut gefallen. Man spürt so deutlich wie nirgends sonst in südamerika den einfluss europas. die architektur ist ähnlich, die leute sehen europäisch aus, und die fassaden der hochhäuser sind aus glas. ich fühlte mich dem alten kontinent sofort ein bisschen näher. zuerst fühlte ich mich ein bisschen verloren, weil ich ein hostal auf gut glück, bzw. über tourist informations suchen wollte. diese waren aber alle entweder geschlossen oder inkompetent. schliesslich rettete mich das internet, das mir die adresse eines backpacker hostals preisgab.
im alten hafenquartier la boca, das gleichzeitig die wiege des tango ist, gibt es viele bunte häuschen zu sehen. weil es ein armes viertel ist, verwendeten die einwohner die resten von schiffsfarben, um ihre häuser zu streichen. leider ist es dort heute extrem touristisch, worunter der charme stark leidet. überall wollen hübsche frauen in eleganten kleidern ein foto mit einem touristen in einer tangoposition machen, um ein paar pesos zu verdienen. ich fand das ein bisschen daneben, mir kam es wie eine neue form von kulturprostitution vor. also habe ich das mit dem foto gelassen. interessant war auch, dass nur männliche touristen fotos mit einer eleganten dame gemacht haben, umgekehrt habe ich das nie beobachtet, obwohl es auch elegante tangotänzer gehabt hätte. aber wahrscheinlich merken frauen, dass es nur lächerlich wirken würde.
von buenos aires ging es weiter nach cordoba. von dieser stadt bin ich ein bisschen enttäuscht. ich erwartete viel mehr koloniale bauten, aber es gibt nur noch ganz wenige. dafür sei sie eine sehr lebendige stadt mit sieben universitäten. davon habe ich allerdings nicht viel gespürt, da ich am nächsten tag schon weiter ging.
auf dem programm stand der besuch von zwei nationalparks im westen des landes. die gegend ist mit dem öv nur sehr schlecht erschlossen, darum musste ich mich als autostöppler versuchen. am anfang gings recht gut, ich kam mit einem parkwächter in den ersten nationalpark namens talampaya. im wesentlichen ist es eine schlucht mit bis zu 150 meter hohen sandsteinwänden. leider war es bewölkt, sodass die sandsteinsäulen nicht richtig zur geltung kamen. war aber trotzdem schön. an einer stelle widerhallt ein perfektes, fünffaches echo von den canyonwänden, das nicht nur ein paar silben, sondern ganze sätze repetiert, und das, ohne die stimme zu verzerren.
von diesem nationalpark in den nächsten war das komplizierteste stück für einen stöppler. zuerst versuchte ich auf dem parkplatz jemanden zu finden, der mich mitnehmen würde, aber alle reisten in die andere richtung. nach etwa 2.5 stunden gab ich es frustriert auf und stellte mich an die strasse. als dann nach etwa 45 minuten endlich das erste auto auftauchte, mich verzweifelt winken sah und nicht einmal verlangsamte, sank meine stimmung in das dritte kellergeschoss. nach langen 4 stunden warten nahm mich endlich ein älteres ehepaar mit, das sogar in genau den nationalpark fuhr, in den ich wollte. dort zu sehen gibt es ein weiteres mondtal, aber wirklich ein schönes. das wetter wurde leider noch schlechter, sodass man nicht viel sah
deshalb beschloss ich am nächsten tag noch einmal die ca. 70 km zu stöpplen. diesmal kam schon nach einer stunde eine gute seele, die mich mitnahm. und es hat sich wirklich gelohnt, noch einmal zurückzukehren. das wetter war perfekt.
weiter gings nach mendoza und in den provinzpark aconcagua. leider war der aconcagua in wolken gehüllt, aber der ausflug war trotzdem sehr schön. und als ich am nächsten tag im bus richtung chile unterwegs war, sah ich ihn noch unverhüllt.
jetzt bin ich in viña del mar/valparaiso in der wohnung meines gastbruders diego und muss mich wieder daran gewöhnen, dass schönes wetter eben keine selbstverständlichkeit ist. seit etwa drei tagen liegt dicker nebel über der stadt. das ist nach drei monaten sonnenschein ohne einen tropfen regen schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig
9. April 2009 um 11:15
Lieber Simon
Ganz herzlichen Dank für deine eindrücklichen Reiseschilderungen. Du erlebst wirklich eine besondere Welt und deine Fotos sind hervorragend. Diese Zeit in Südamerika wird sicher zeitlebens in Erilnnerung bleiben. Ich wünsche dir einen guten Abschluss deiner “Stöpler” und Reisezeit und freue mich auf deilne Rückkehr in den alten Kontinent. Herzliche Grüsse. Opa
10. April 2009 um 23:15
Lieber Simon
Und deine imposanten Bilderberichte haben uns neugierigen Webleser erreicht! Vielen Dank.
Deine Erlebnisse brauchen Zeit zur Verarbeitung… gut, dass du noch jung bist…
Der Gastbruder in Vina del mar hat dir bestimmt mit Interesse zugehört? Ich könnte mir vorstellen, dass er dich (euch) bald besuchen wird in der Schweiz.
Ich wünsche dir von Herzen eine gute Weiterreise und Heimkehr.
Frohe und gesegnete Ostertage wünscht dir Groma