Von Buenos Aires nach Valparaiso
Ein Beitrag zum Themengebiet Chile, geschrieben am 8. April 2009 von Jimmyoder: vom atlantik an den pazifik.
buenos aires hat mir sehr gut gefallen. Man spürt so deutlich wie nirgends sonst in südamerika den einfluss europas. die architektur ist ähnlich, die leute sehen europäisch aus, und die fassaden der hochhäuser sind aus glas. ich fühlte mich dem alten kontinent sofort ein bisschen näher. zuerst fühlte ich mich ein bisschen verloren, weil ich ein hostal auf gut glück, bzw. über tourist informations suchen wollte. diese waren aber alle entweder geschlossen oder inkompetent. schliesslich rettete mich das internet, das mir die adresse eines backpacker hostals preisgab.
im alten hafenquartier la boca, das gleichzeitig die wiege des tango ist, gibt es viele bunte häuschen zu sehen. weil es ein armes viertel ist, verwendeten die einwohner die resten von schiffsfarben, um ihre häuser zu streichen. leider ist es dort heute extrem touristisch, worunter der charme stark leidet. überall wollen hübsche frauen in eleganten kleidern ein foto mit einem touristen in einer tangoposition machen, um ein paar pesos zu verdienen. ich fand das ein bisschen daneben, mir kam es wie eine neue form von kulturprostitution vor. also habe ich das mit dem foto gelassen. interessant war auch, dass nur männliche touristen fotos mit einer eleganten dame gemacht haben, umgekehrt habe ich das nie beobachtet, obwohl es auch elegante tangotänzer gehabt hätte. aber wahrscheinlich merken frauen, dass es nur lächerlich wirken würde.


Gestern und heute waren wir mit Hugo, Diego und seinem Freund Enzo unterwegs im Altiplano, dem Hochland der Anden hinter Arica. Es ist wohl eine der schoensten Reisearten, ein fremdes Land mit den Augen der Einheimischen zu entdecken. Hugo ist ein ausgezeichneter Reiseleiter. Auf jede Frage wusste er eine Antwort, viel hat er uns gezeigt. Wir haben bewundert, wie die Aymaras 1000v.Chr. ihre Gemuesevorraete in Erdloechern aufbewahrten und bis zu zwei Jahren konservieren konnten, wir haben Felszeichnungen aus fruehster Zeit gesehen, die immer so angelegt sind, dass sie von der aufgehenden Sonne bescheint werden und den Karawanen den Weg weisen, wir sind ueber ein magnetisches Feld gefahren (das Auto fuhr tatsaeachlich von selbst die Strasse rueckwaerts hinauf), haben Kandelaber-Kaktusse bestaunt, und wir sind durch verschlafene Nester in den Anden gefahren. Eines davon, Socoroma, ist Hugos Geburtsort. Heute gehen dort gerade noch vier Kinder in die Schule. In einem andern Doerfchen, Parinacota, leben noch drei Familien. Den einzigen Menschen, den wir zu Gesicht bekamen, ein alter Mann, konnte Hugo aufklaeren, dass heute der 29. und nicht der 26. Dezember ist. Mit dieser Information kann er jetzt hoffentlich sein Vorhaben, seine Verwandten zum Jahreswechsel zu besuchen, noch rechtzeitig in die Tat umsetzen.








